Herz-Computertomografie

Im Deutschen Herzzentrum München nahm die kardiovaskuläre CT-Bildgebung 2002 mit einem der ersten 16-Schicht Cardiac-Computertomographen weltweit ihren Anfang. Das im Juni 2014 installierte Siemens Somatom Force ist in der Folge der 5. CT-Scanner – Ausdruck einer rasanten technologischen Weiterentwicklung. Das DHM  betreibt nun den neuesten Dual-Source-Scanner der dritten Generation. Damit ist die Darstellung der Herzkranzgefäße innerhalb eines einzigen Herzschlages mit sehr niedriger Strahlendosis und hoher Auflösung möglich.
 

Was ist die Computertomografie?

Die Computertomographie ist ein Röntgenverfahren. An unserem Dual-Source CT-System rotieren zwei Röntgenröhren kontinuierlich um den Patienten herum. Gegenüberliegend befinden sich die Aufnahmesysteme. All dies ist für den Patienten nicht sichtbar, da sich die Röntgenröhren und die Aufnahmesysteme in einem Gehäuse (Gantry) befinden.

Während eines vollständigen Umlaufs der Röntgenröhre um den Körper werden fächerförmig Röntgenstrahlen durch den Körper geschickt und es wird die Abschwächung dieser Röntgenstrahlen hinter dem Patienten in den Detektoren aufgezeichnet. Aus dieser sehr großen Anzahl von Messwerten (Schwächungswerten) berechnet ein Computer ein Bild, das die Dichteverteilung im untersuchten Körper widerspiegelt.

Wie auf einem Röntgenbild werden dichte Strukturen wie z.B. Knochen oder Verkalkungen hell abgebildet, während weniger dichte Strukturen wie Fettgewebe oder Luft sehr dunkel dargestellt werden. Weichteilgewebe und Flüssigkeiten besitzen eine mittlere Dichte und werden mit mittleren Grauwerten abgebildet.
 

Was ist die Herz-Computertomografie (Herz-CT)?

Bei der Herz-CT handelt es sich um eine besondere Form der Computertomographie. Die Bildaufnahme erfolgt in Abhängigkeit vom EKG des Patienten.

Da das Herz ständig in Bewegung ist und es sich bei den Herzkranzgefäßen um Strukturen von kleinem Kaliber handelt, ist eine hohe räumliche wie auch zeitliche Auflösung unabdingbar. Diese hoch auflösende Darstellung des Herzens ist nur mit besonders schnellen CT-Geräten möglich.

Das derzeit weltweit schnellste System ist das Dual Source „Force“ CT, welches mit seinen zwei Röntgenröhren und –detektoren eine um den Faktor 1,5 verbesserte zeitliche Auflösung gegenüber dem bisherigen 256-Zeilen-System ermöglicht.

Dadurch können selbst kleine Gefäße des Herzens in bisher nicht gekannter Präzision und Schärfe abgebildet werden.  Die Atherosklerose – also die mit dem Alter zunehmende Arterienveränderung und –verkalkung – führt zu Umbauvorgängen in der Wand von Herzkranzgefäßen.  Diese Erkrankung wird als koronare Herzerkrankung (KHK) bezeichnet.

Hierbei können sich Gefäßengstellen (sogenannte Stenosen) oder sogar Gefäßverschlüsse ausbilden, die die Blutversorgung des Herzmuskels beeinträchtigen. Bisher konnte die Diagnosestellung einer koronaren Herzerkrankung nur durch eine Herzkatheteruntersuchung erfolgen.

Mit der Herz-CT können die Herzkranzgefäße und deren Wände ohne einen Katheter dargestellt werden. Diese nicht-invasive Methode liefert ein genaues Bild vom Herzen, so dass es möglich ist, bereits geringe atherosklerotische Ablagerungen (Plaques) in der Gefäßwand nachzuweisen.

Auch Gefäßverengungen in den Herzkranzgefäßen oder auch in Bypassgefäßen können hochauflösend dargestellt werden.
 

Wie läuft eine CT-Untersuchung des Herzens ab?

DHM Grafik Screenshot Herzansicht des Dual-Source-CT

In der Regel muss bei einer Herz-CT ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel zur Darstellung der Herzkranzgefäße gegeben werden. Zur besseren Darstellung der Herzgefäße werden diese medikamentös (Nitrate) erweitert.

Eventuell kann es notwendig werden, um die Bildqualität weiter zu verbessern und vor allem  die Strahlenbelastung zu verringern, die Herzfrequenz durch Medikamentengabe (β-Blocker) zu verlangsamen.

Wir bitten Sie daher, uns vor der Untersuchung über eventuelle Unverträglichkeiten zu informieren. Während der Untersuchung sollten Sie ruhig und entspannt auf dem Rücken liegen.

Bitte folgen Sie den Anweisungen der Assistentin, wenn Sie dann für etwa 10 Sekunden die Luft anhalten müssen. Das Kontrastmittel wird über einen venösen Zugang im Bereich der Ellenbeuge verabreicht. Während der Kontrastmittelgabe kann es zu einem kurzen, intensiven Hitzegefühl kommen. Dies vergeht in der Regel nach wenigen Sekunden.

Die konkrete Untersuchung am CT-Gerät ist innerhalb von ca. 15 Minuten abgeschlossen. Solange der Scanner läuft, sind Sie allein im Raum, allerdings bleiben Sie über eine Gegensprechanlage ständig in Kontakt zu unserer Assistentin.

Auch für Patienten mit Platzangst ist diese Methode geeignet, da einerseits die modernen CT-Geräte eine sehr weite Öffnung haben und andererseits sich nur ein Teil des Körpers in der Röhre befindet. Etwa eine halbe Stunde nach der Untersuchung wird der venöse Zugang aus Ihrem Arm entfernt.

Im Anschluss werden wir die Ergebnisse der Untersuchung mit Ihnen besprechen und Sie erhalten Ausdrucke auf Papier sowie eine DVD mit Daten und Bildern Ihrer Untersuchung. Von der Aufnahme bis zur Befundbesprechung sollten Sie mit einem Zeitbedarf von ca. 2 Stunden rechnen.
 

Für welche Patienten ist eine Herz-CT sinnvoll?

Primär in Frage kommt eine Herz-CT für Männer und Frauen, die zwar keine typische angina pectoris, aber andere Symptome einer koronaren Herzerkrankung zeigen, insbesondere bei erhöhtem kardiovaskulärem Risikoprofil. Hierzu gehört u.a. Nikotinkonsum, erhöhte Blutfette, erhöhte Blutdruckwerte, familiäre Belastung oder  eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Sinnvoll kann die Untersuchung auch sein, wenn andere Untersuchungen, wie z.B. ein Belastungs-EKG oder eine Herz-Szintigraphie, einen unklaren Befund ergeben haben. Zudem bietet sie sich zur Kontrolle der Durchgängigkeit von Bypässen nach einer Herz-Operation an.

Die technischen Fortschritte haben zu einer Verbesserung der Stentbeurteilung geführt, dennoch wird bis auf Weiteres die Untersuchung koronararterieller Stents mittels Herz-CT eher auf abgangsnahe Abschnitte mit einem Durchmesser des Stents ab ca. 4 mm aufwärts beschränkt sein.
 

Optimale Voraussetzungen für eine Herz-CT

Für die Erstellung der Bilder einer Herz-CT sind einige Voraussetzungen wünschenswert, um eine optimale Bildqualität und Auswertung zu ermöglichen. Hierzu gehören:

  • Der Puls (Herzfrequenz) sollte ruhig und regelmäßig sein
  • Keine Kontrastmittelallergie (Jodallergie)
  • Keine relevante Beeinträchtigung der Nieren- und Schildrüsenfunktionen (bitte aktuelle Laborwerte mitbringen, s.u.)
  • Für Frauen:
    keine bestehende Schwangerschaft (Schwangere sind wegen der Röntgenbestrahlung von einer Herz-CT ausgeschlossen)
     

Herz-CT: Häufige Fragen

Ist die Herz-CT ein Ersatz für den Herzkatheter?

Die Herz-CT ist sehr gut in der Lage, eine KHK auszuschließen. Das bedeutet, dass bei Patienten mit einem unauffälligen Herz-CT-Befund in der Regel kein Herzkatheter mehr durchgeführt werden muss.

Dennoch kann es in Einzelfällen vorkommen, dass Engstellen der Herzkranzgefäße z.B. bei Rhythmusstörungen, massiven Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen oder starkem Übergewicht nicht sicher graduiert werden können.

Unter Umständen wird Ihnen nach der Herz-CT zur weiteren Abklärung eine Herzkatheteruntersuchung empfohlen, wenn die Schnittbilder Hinweise auf Verengungen der Herzkranzgefäße gezeigt haben.

Insbesondere wenn eindeutige, vom Herzen ausgehende Schmerzen vorhanden sind oder andere Untersuchungsbefunde vorliegen, die sehr  wahrscheinlich auf Verengungen der Herzkranzgefäße hinweisen, bleibt der Herzkatheter unersetzlich.
 

Wie hoch ist die Strahlenbelastung bei einer Herz-CT?

Die Strahlendosis der Herz-CT hängt von äußeren Faktoren (Gewicht, Herzfrequenz und –rhythmus des Patienten) und der deswegen verwendeten Untersuchungstechnik ab.

In der Regel ist die Strahlenbelastung der Herz-CT nicht höher als die einer Herzkatheteruntersuchung und kann bei günstigen Umständen sogar deutlich geringer sein(ca. 1/3).

Geeignete Patienten mit einer langsamen und gleichmäßigen Herzfrequenz können mit dem neuen „Flash“-Modus untersucht werden. Hierbei ist die Strahlenexposition besonders niedrig und bewegt sich weit unterhalb  der jährlichen sog. natürlichen Strahlenbelastung. Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben.
 

Darf ich vor einer Herz-CT meine Medikamente nehmen bzw. essen und trinken?

Für die Herz-CT ist ein ruhiger und gleichmäßiger Puls wünschenswert. Sie sollten daher alle Herzmedikamente vor der Untersuchung unverändert einnehmen. Es besteht keine Notwendigkeit, auf eine leichte Mahlzeit vor der Herz-CT zu verzichten.

Wir möchten Sie jedoch bitten, am Tag der Untersuchung auf Kaffee oder schwarzen Tee zu verzichten.

Falls Sie Diabetiker sind und ein Medikament mit dem Wirkstoff Metformin einnehmen, bitten wir Sie, uns schon bei Terminvergabe zu informieren.
 

Was muss ich mitbringen?

Für die Durchführung einer Herz-CT sollten Sie aktuelle Laborwerte mitbringen, die Angaben über Ihre Nieren- und Schilddrüsenfunktion sowie Ihren Stoffwechsel geben:

  • Keratininwert
  • CRP
  • Basaler TSH-Wert
  • Lipidstatus: Gesamtcholesterin, HDL, LDL, Triglyceride

Diese Werte sollten nicht älter als 4 Wochen sein. Sollten Sie nicht alle Laborbefunde mitbringen, so können diese auch in unserer Klinik vor der Herz-CT durch eine Blutentnahme bestimmt werden.

Dies wäre allerdings mit einer Wartezeit von etwa einer Stunde verbunden, da diese Zeit für die Auswertung Ihrer Blutwerte beansprucht wird.

Die Befunde von Voruntersuchungen (z.B. Belastungs-EKG oder Operationsberichte) sind bei der Auswertung und Beurteilung einer Herz-CT hilfreich. Wir möchten Sie daher bitten, diese Befunde oder wenn möglich einen Arztbrief in Kopie mitzubringen.
 

Muss ich für die Herz-CT stationär im Krankenhaus aufgenommen werden?

Nein. Die Herz-CT kann ambulant durchgeführt werden, so dass der Patient nach der Untersuchung wieder nach Hause gehen kann.
 

Bei wem ist die Untersuchung weniger geeignet?

Grundsätzlich gibt es nur noch sehr wenige Einschränkungen für die Herz-CT. Eine weniger optimale Bildqualität, mit auch höheren Dosiswerten, liegt bei Patienten mit unregelmäßigem Herzschlag (z.B. Vorhofflimmern),  mit Koronarstents oder Adipositas per magna (ab 120 Kg) vor.

Bei Patienten mit Gegenanzeigen für die Gabe von Röntgenkontrastmittel (z.B. bei Vorliegen einer Kontrastmittelallergie, einer Nierenschädigung oder einer Schilddrüsenüberfunktion) muss eine besonders sorgfältige Indikationsstellung erfolgen.

Bitte informieren Sie uns schon bei der Terminvereinbarung, ob etwaige Kontraindikationen vorliegen.

Die neue Anlage kommt allerdings auch mit geringeren Kontrastmittelmengen für eine gute Bildgebung zurecht.
 

Wer übernimmt die Kosten?

Die Herz-CT-Untersuchung wird in der Regel nur bei privaten Krankenversicherungen für ambulante Patienten übernommen und dies auch nur als Thorax-CT.

Bei Fragen, ob und in welchem Umfang die Kosten von Ihrer Kasse übernommen werden, wenden Sie sich bitte an Ihre Krankenversicherung.

Gerne können Sie uns für weitere Information auch telefonisch kontaktieren.
 

Wann bekomme ich mein Ergebnis?

Meist können wir Ihnen ein erstes Ergebnis bereits im Anschluss an die Untersuchung mitteilen.

Sie erhalten Farbausdrucke Ihren Herzens sowie eine DVD mit den Bilddaten. Den endgültigen schriftlichen Befund schicken wir Ihnen bzw. Ihrem Hausarzt in der Regel am folgenden Tag zu.
 

Wissenschaftliche Arbeitsgruppe Herz-CT

Dr. med. Stefan Martinoff,
Klinischer Direktor des Instituts für Radiologie und Nuklearmedizin

PD Dr. med. Martin Hadamitzky
Ltd. Oberarzt des Instituts für Radiologie und Nuklearmedizin

Info-Hotline:   +49 (0) 89 1218-4518
Anmeldung:   +49 (0) 89 1218-4528