Erwachsenen-Kardioanästhesie

Die präoperative Phase

Einen Tag vor der geplanten Operation erfolgt die Prämedikationsvisite. Das Ziel dieses persönlichen Gesprächs ist es, alle Fragen zur Narkose zu klären. Unter Berücksichtigung aller mitgebrachten Befunde werden die Patienten über den Ablauf sowie mögliche Risiken der Narkose zu informiert. Das Aufklärungsgespräch sowie die Verordnung von Benzodiazepinen ermöglichen, dass die Patienten dem OP-Tag angstfrei entgegen sehen.
 

Die intraoperative Phase

Anästhesieverfahren

Das Ziel der Allgemeinanästhesie ist die Ausschaltung von Schmerz, Wahrnehmung, Erinnerung und Reaktion auf stressbehaftete Situationen. In Abhängigkeit des geplanten Eingriffs kommen verschiedene Anästhesieverfahren zum Einsatz. Durch gezielte Kombination verschiedener intravenöser und inhalativer Anästhetika kann die Narkosetiefe bei gleichzeitiger Reduzierung von möglichen Nebenwirkungen gezielt gesteuert werden.

Da bei vielen Patienten eine eingeschränkte Herzfunktion vorliegt und die Gefahr instabiler Kreislaufverhältnisse droht, wird bei der Auswahl des Anästhesieverfahrens sehr auf die größtmögliche Erhaltung der Kreislaufstabilität geachtet. Zusätzlich wird in bestimmten Phasen der Narkose ein Mittel zur Muskelentspannung (Muskelrelaxans) gegeben.
 

Hämodynamisches Monitoring

Die Standardüberwachung, die bei jeder Allgemeinanästhesie (EKG, Blutdruckmessung mittels Manschette und Sauerstoffmessung mittels Pulsoxymetrie) Anwendung findet, wird bei Herzoperationen noch durch ein erweitertes hämodynamisches Monitoring ergänzt.

Dieses umfasst das Legen eines arteriellen Katheters, um schon bei der Narkoseeinleitung den Blutdruck engmaschig überwachen zu können. Nach Einleitung der Narkose, Intubation und maschineller Beatmung werden zentralvenöse und pulmonalarterielle Katheter zur weiteren Überwachung der Kreislauffunktion eingeführt.

Dieses erweiterte Monitoring ermöglicht die Bestimmung wichtiger hämodynamischer Parameter wie Schlagvolumen und Herzzeitvolumen sowie Widerstandsmessungen im kleinen und großen Kreislauf. Mit Hilfe dieses komplexen hämodynamischen Monitorings können intraoperative Veränderungen des Kreislaufs rasch erkannt und, falls nötig, gezielt und differenziert therapiert werden.
 

Therapie mit kreislaufwirksamen Substanzen

Die Aufrechterhaltung stabiler Kreislaufverhältnisse während der Herzoperation ist, insbesondere nach dem Abgehen von der Herz-Lungen-Maschine, häufig nur durch den Einsatz verschiedener kreislaufwirksamer Medikamente möglich.

Im Wesentlichen werden Medikamente zur Steigerung der Herzkraft und Medikamente, die den Gefäßtonus beeinflussen, verwendet.
 

Intraoperative Diagnostik

Die intraoperative Überwachung der Beatmung, der Hämoglobinkonzentration, des Blutzuckers sowie des Säure-Basen- und Elektrolythaushalts wird durch modernste Blutgasgeräte des an den OP Trakt angegliederten Blutdepots unterstützt.

Für die Diagnostik und Einflussnahme auf die Blutgerinnung (Thrombozytenfunktion, Fibrinolyse) kommen sowohl die Impedanzaggregometrie (Multiplate Analyzer, Roche Diagnostics) als auch die Thromboelastometrie (ROTEM der Fa. Werfen GmbH) zum Einsatz. Die Überwachung der Narkosetiefe erfolgt zusätzlich zu den etablierten klinischen Methoden wie der Beurteilung vegetativer Zeichen, mithilfe von Geräten, die über ein prozessiertes EEG Daten zur Narkosetiefe liefern. Auch die Gewebeoxygenierung wird mit speziellen Geräten überwacht (z.B. NIRS).

Ein fiberoptisches Bronchoskop sowie ein Videolarnygoskop liegen zur Inspektion des Tracheo-Bronchialsystems und für den Fall einer erschwerten endotrachealen Intubation bereit. Zum Einsatz der Transösophagealen Echokardiographie (TEE) lesen Sie bitte hier weiter.

Nach Beendigung der Operation werden die Patienten, unter Weiterführung der Narkosemedikamente in reduzierter Dosierung auf die Intensivstation gebracht. Die maschinelle Beatmung wird dort in der Regel nur wenige Stunden fortgesetzt.