Kinder-Kardio-Anästhesie

Seit den 1970er Jahren zählt das DHM zu den führenden Zentren der Kinderherzchirurgie in Europa. Dabei umfassen die durchgeführten Operationen heute neben den Korrekturoperationen angeborener Herzfehler im Neugeborenen-, Säuglings- und Kindesalter auch katheterinterventionelle Eingriffe und die Versorgung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern.

Parallel zu den Fortschritten der Kinderherzchirurgie hat sich auch die Kinderherzanästhesie im DHM stetig weiterentwickelt so dass heute ein Team hochspezialisierter Kinderherzanästhesisten die anästhesiologische Versorgung dieser Patienten sicherstellt.

Zu ihren Aufgaben zählt dabei nicht nur die Durchführung der eigentlichen Narkose als totale intravenöse (TIVA) oder balanzierte Anästhesie sondern insbesondere auch die Überwachung der Hämodynamik und die Therapie ihrer Störungen sowie das sog. Patient Blood Management (siehe unten).

Dazu kommen standardmäßig neben Gefäßzugängen wie arterielle und zentralvenöse Katheters auch die transösophageale Echokardiographie und die Überwachung der Gewebeoxygenierung mittels Nahinfrarotspektroskopie zum Einsatz.
 

Praktischer Ablauf

Am Vortag des Eingriffs führt der Anästhesist ein Aufklärungsgespräch mit den Eltern, bei dem alle Fragen direkt angesprochen und geklärt werden können.

Am Tag der Operation erhalten die Kinder vor dem Transport in den OP entweder oral oder rektal ein Beruhigungsmittel und werden dann, gerne auch in Begleitung der Eltern, zum OP gebracht. Die Eltern können ihrem Kind insbesondere dann helfen, wenn sie Ruhe und Zuversicht ausstrahlen.

Nach der Operation kommen die Kinder, üblicherweise noch in Narkose, auf die Intensivstation. Dort werden sie, so schnell es ihr Gesundheitszustand erlaubt, von den Sedativa und der Beatmung entwöhnt.
 

Patient Blood Management

Kinderherzchirurgische Operationen,  von denen viele mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden, können mit Blutverlusten und Störungen der Blutgerinnung einhergehen.

Um diese Blutverluste auszugleichen kommt bei jeder Operation die maschinelle Autotransfusion zum Einsatz. Dabei wird mit einem Cell Saver das Wundblut gesammelt und wiederaufbereitet, so dass es dem Patienten zurückgegeben werden kann.

Sollte dies nicht ausreichen können unter strenger Indikationsstellung und sparsamen Einsatz auch Fremdbluttransfusionen erforderlich sein. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Fremdblutprodukte heute als sehr sicher anzusehen sind.

Störungen der Blutgerinnung können bereits im OP vor allem mithilfe der Thrombelastographie erkannt werden und werden ebenfalls differenziert mit Gerinnungsfaktoren, Plasma und Thrombozytenkonzentraten therapiert.

Bereits im Vorfeld der Operation kann bei älteren Kindern (ab etwa 14 Jahren und 50 kg) und Erwachsenen geprüft werden, ob eine präoperative Eigenblutspende in Betracht kommt. Soweit möglich sollte ebenfalls schon im Vorfeld eine vorbestehende Anämie (Blutarmut) behandelt werden.

Zusammenfassend sichern die hoch qualifizierten Kinderherzanästhesisten zusammen mit den umfassenden Diagnose- und Therapiemöglichkeiten die bestmögliche anästhesiologische Versorgung dieser oft schwer kranken Patienten.